Der Blick auf die Vergangenheit ändert sich mit den Ereignissen der Gegenwart, weil eine Veränderung neue Begründungszusammenhänge offenbart. Vergangene Ereignisse werden neu verstanden und erfahren eine Begründung, weil eine neue Situation aus den Fängen der Vergangenheit herausreißt. Zuweilen hält auch eine Umgebung oder ein Personenkreis die Vergangenheit so wach, daß das Handeln unmöglich wird oder [...]
Gedanke 120
Wer sich heute aufregt, warum die Universitäten so überfüllt sind und warum viele studieren, der sollte sich einmal fragen, ob nicht eine falsche Prioritätensetzung erfolgt ist, indem die Qualifikationen, die für einen Beruf gesetzt werden, nicht dem tatsächlichen Berufsbild entsprechen, sondern indem diese hohen Qualifikationsanforderungen eher ein Selektionsprinzip darstellen. Viele Universitäten waren schon früher sehr [...]
Gedanke 119
Wenn jemand stirbt, dann ranken sich Legenden um sein Leben, ob er nun berühmt war oder nicht. Durch den Rückblick und den Zeitraffer wird dieses Leben zum Heldenhaften stilisiert, denn die Durststrecken und Krisen werden ausgeblendet. Jeder weiß, daß das Leben von Menschen nicht heldenhaft sich vollzieht, indem das eine Ereignis das andere jagt. Denn [...]
Gedanke 118
Wer gegen seine Zeit lebt, indem er versucht, Fortschritt oder Weiterentwicklungen aufzuhalten, wird irgendwann überrannt, weil der Fortschritt sich seinen Weg bahnt. Ob diese Versuche Urheberrecht oder welchen Namen auch immer sie tragen, sie werden unterhöhlt, wenn sie die Freiheit einschränken, denn die Kraft der Freiheit ist stärker als jede Schranke. Viele politische Denkweisen zeigen [...]
Gedanke 117
Es ist zur Unsitte geworden, nicht die Botschaft zu ergründen, die ein Mensch übermitteln will, sondern bei der kleinsten Äußerung auf ihn einzudreschen, sobald ein kritsches Wort aus seinem Munde dringt. Dann ist ein unrichtiges Zitat gravierender als die Botschaft. Denn es ist eine Kunst, zuzuhören und den Sinn der Worte zu ergründen. Da es [...]
Gedanke 116
Was im Innersten bewegt, bewegt auch nach außen, auch wenn der Versuch unternommen wird, etwas anderes zu tun als das, was bewegt. Denn dieses Andere wirkt aufgesetzt. Was aufgesetzt ist, wirkt fremd und wenig überzeugend, weil es nicht gegründet ist. Das Fremde passt nicht und befremdet. Denn es wird gespielt und nicht mit Leben erfüllt. [...]
Gedanke 115
Man kann nur mit etwas überzeugen, von dem man selbst überzeugt ist. Denn wenn man überzeugt ist, bezeugt man, insofern man eine Sache verinnerlicht hat. Man legt sozusagen Zeugnis ab, weil man die Sache mit dem Herzen trägt. Wenn man überzeugt ist, dann hegt man keine Zweifel an einer Sache und ist motiviert und engagiert. [...]
Anstoß
Im Augenblick ist die regelmäßige Fortsetzung ins Stocken geraten, weil mir die rechten Denkanstöße fehlen. Denken geschieht immer aus dem Widerstand, indem man Denkwegen widersteht. Zwar gibt es viel Anstößiges, aber dieses Anstößige entwickelt sich nur daraus, daß eine Person der Garant einer Sache ist und nicht die Vernunft. Daher findet eine bereitwillige Beugung statt, [...]
Gedanke 114
Wer zu stark sich mit Problemen befasst, die ihn nicht betreffen, der vergeudet seine Kraft an ihnen und vergisst, seine je eigenen Probleme zu lösen, weil er abgelenkt wird und sich an Probleme bindet, die er keiner Lösung zuführen kann. Auf diese Weise läuft jemand Gefahr, sich in fremde Angelegenheiten einzumischen, weil er die Fremdheit [...]
Gedanke 113
Wer nicht den Tag genießt und im Morgen lebt, der fürchtet den Tod, weil er zu leben vergisst. Wer das Leben nur unter ökonomischen Gesichtspunkten sieht oder beurteilt, der nimmt dem Leben die Lebendigkeit und das Lebenswerte, weil er sein Handeln eindimensional ausrichtet. Die Gefangenschaft im Morgen und im ökonomischen Denken zerstört den Menschen, weil [...]