Wenn sich Veränderungen im Leben ergeben, dann erfahren die zurückliegenden Ereignisse eine neue Deutung, weil sie in ein neues Licht rücken und einen neuen Sinn erhalten. Es kann erst gedeutet werden, wenn diese Veränderungen eintreten, weil Konstanz im Leben und der Vollzug des Immergleichen bedeutet, daß der Menschen sich Abläufen unterwirft, statt selbst zu ent- und verwerfen.
Veränderungen sind notwendig, wenn das bisherige Leben und die bisherigen Lebenszusammenhänge einen destruktiven Charakter annehmen oder einen Punkt erreichen, an dem ihr Vollzug Lächerlichkeit hervorruft, denn jeder Lebensabschnitt hat einen Anfang und ein Ende, so daß man eigentlich schon während eines Lebensabschnittes den neuen Abschnitt vorbereitet.
Ein Mensch lebt erst dann, wenn er das Leben aktiv gestaltet und wenn er es nicht passiv vollzieht, denn dann wird jeder Tag zum Erlebnis und einmalig. Dieses Erlebnis und die Gestaltung eines Tages gelingen nur dann, wenn der Mensch im Jetzt und an dem Tag lebt, der gerade läuft, denn dann ist er gegenwärtig und erkennt in der Gegenwart das je zu Gestaltende und das je Besondere. Wer ständig in der Zukunft lebt und nur das Zukünftige sieht oder ihm etwas als Zukünftiges geweissagt wird, der flüchtet vor dem Jetzt, in dem er das Morgen gestaltet. Denn auf der Flucht wird der Tag verschenkt. Er wird nicht als Geschenk aufgefasst, sondern er wird durchhastet, indem er auf seine Zeitstruktur reduziert wird.
Ein Tag wird richtig gestaltet und richtig erlebt, wenn man sich vorstellt, es gebe kein Morgen, denn dann wird er intensiver erfahren.
Das Leben wird intensiv erlebt und gestaltet, wenn man sich von der Beliebigkeit verabschiedet, denn in der Beliebigkeit wird man nur hin- und hergeworfen und lebt passiv. Aktives Leben gründet im ständigen Ent- und Verwerfen, denn der Entwurf setzt eine Andersheit und Individualität. Der Entwurf ist ein Kontrapunkt, denn er fordert Auseinandersetzung, insofern er anstößt. Ein Leben in der Beliebigkeit mündet dahin, daß man sich anderen quasi ausliefert und ihre Interessen vollzieht, indem man sich selbst aufgibt.
Wenn sich Veränderungen einstellen oder neue Wege beschritten werden, dann gelangt man zu der Erkenntnis, daß das vergangene Leben in der Beliebigkeit versank und man gar nicht richtig gelebt hat, weil man für alles offen war, aber letztlich nichts erreicht hat.
Wenn ein Leben gelingen soll, dann muss es der Beliebigkeit entrissen werden und konkrete Ziele und Wege formuliert werden, damit man eine Wahl treffen kann. Gerade durch konkrete Ziele und Wege formuliert man seine konkrete Position, die je andere annehmen oder ablehnen können, denn so erfährt das Leben eine individuelle Ausgestaltung und erhält eine persönliche Note.
Gerade eine gute Erziehung muss Heranwachsende darauf vorbereiten, daß sie als Erwachsene ihren Weg finden und bestimmen und nicht unbestimmt hin- und hergeworfen werden, denn dann werden sie versagen.
Die Grundlagen für eine gutes und gelingendes Leben liegen schon in der Erziehung sowohl in der Schule als auch im Elternhaus, denn sie entscheiden über die Gestaltung und Gestaltbarkeit seines weiteren Lebensweges. Je disziplinierter und je herausfordernder eine Erziehung ist, desto klarer trifft der Heranwachsende seine Wahl, auch wenn er sich anfänglich gegen jede Form von Disziplin wehrt, so wird sie ihn prägen und stärken, weil er eine individuelle Lebensgestaltung sucht und als Kontrapunkt definiert. Wie ein Mensch gezogen wurde, so wird er ziehen, sofern er nicht einen kritischen Umgang mit seiner Erziehung pflegt und auch zu verwerfen lernt.
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