Die Schwäche eines sozialen Netzwerkes liegt darin, daß die sozialen Kontakte schon bestehen und sie nur veröffentlicht werden. Es werden keine neuen Kontakte via Internet oder via sozialem Netzwerk geknüpft, so daß man quasi schon von einer Kontaktinzucht sprechen kann. Man kennt sich quasi schon vorher und tut dies jetzt nur virtuell kund. Der reale Kontakt wird virtuell übertragen, so daß ein virtuelles Abbild der Wirklichkeit entsteht.
Daher verliert das soziale Netzwerk irgendwann seinen Reiz, weil die bekannten Kontakte irgendwann virtuell übertragen worden sind. Durch diesen Reizverlust entsteht eine Wanderungsbewegung zwischen den sozialen Netzwerken, obwohl die alten und bestehenden Kontakte nur mitgeschleppt werden und der Reiz durch die neue Plattform erzeugt wird, aber nichts Neues sich ereignet.
Es ist beobachtbar, daß die sozialen Netzwerke eigentlich aus geschlossenen sozialen Gruppen bestehen, zwischen denen keine Kommunikation stattfindet, was nur die Realität widerspiegelt, in der sich auch bestimmte Gruppen absondern und eine Gruppenidentität entwickeln, die ausschließend wirkt.
Die Wirklichkeit unterscheidet sich von der Virtualität nun darin, daß auch zufällig Kontakte zustande kommen können, indem man zufällig mit Personen zusammentrifft oder mit anderen durch schon bekannte Personen bekannt gemacht wird. Diese Möglichkeit einer Zufallsbekanntschaft fehlt in den sozialen Netzwerken, so daß sie nur eine abbildende Funktion übernehmen.
Der Teilnehmer an einem sozialen Netzwerk bleibt in der Fremde stehen und ist nur dort bekannt, wo er auch real bekannt war, wenn er nicht wahllos und unselektiert Anfragen bestätigt, denn es gibt keine Möglichkeit, der Fremde zu entrinnen, indem man neue Kontakte mit bisher Unbekannten knüpft. Es fehlt den sozialen Netzwerken die Interkommunikativität, weil kein aktiver Austausch und keine Pflege der Freundschaft stattfindet und stattfinden kann. Freunde werde aufgelistet, als ob die Quantität etwas über die Qualität aussagen würde, denn die wahre Freundschaft lebt vom regelmäßigen mündlichen Austausch und von der regelmäßigen Begegnung und bezieht daraus auch ihre Lebendigkeit.
Die Auflistung von Freunden dient nur dazu, sich zu brüsten und sich selbst froh zu machen, denn letztlich vertuscht sie nur die Einsamkeit des Teilnehmers. Das soziale Netzwerk schafft keine Nähe, sondern bewahrt nur die Ferne, weil nur selten es dazu beiträgt, Ferne zu überwinden.
Das soziale Netzwerk kann nur Anstoss zum Kontakt sein, aber der eigentliche Kontakt findet nicht mehr über das soziale Netzwerk, sondern direkt statt, so daß das Netzwerk für eine weitere Entwicklung eines Kontaktes an Bedeutung verliert. Die Gefahr dieser Auflistung besteht nun darin, daß der Auflistende je nach Freundeskreis auch Nachteile in Kauf nehmen muss, weil er seine Person transparent und damit interpretierbar macht.
Soziale Netzwerke gewinnen nur an Attraktivität, wenn sie die Kommunikation fördern und den Zufall ermöglichen, denn dann sind sie offen.
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