Eine Sache und ein Ereignis haben immer zwei Seiten: sie werden erlebt oder sie werden betrachtet. Erleben geschieht aus der Nähe und Betroffenheit, die Betrachtung aus der Ferne, indem Einzelschicksale ausgeblendet werden. Beide Haltungen schaden einer differenzierten Beurteilung, weil sie keine Objektivität zulassen. Jedes Ereignis ist zunächst individueller Natur. Denn einzelne Menschen wirken ereignisbedingt miteinander, [...]
Gedanke 126
In die Tiefe gehendes Leben wird durch Bewegung getragen, indem einerseits eine physische Bewegung stattfindet und indem andererseits der Mensch bewegt und bewegt wird. Die physische Bewegung besteht einerseits in einer Kräftigung des Körpers und andererseits in einer ständigen Umgebungsveränderung, damit der Mensch je neu agieren und reagieren muss. Wer ständig an einem Ort weilt, [...]
Gedanke 112
Wer an Stelle anderer entscheidet oder Entscheidungen treffen will, vergisst oft, danach zu fragen, welche Entscheidung das Wohlergehen der betreffenden Person fördert und welche nicht. Denn diese Entscheidungen werden so getroffen, daß man, ohne nachzufragen, eine Entscheidung fällt, von der man annimmt, sie befördere das Wohlergehen einer Person. Wenn Entscheidungen gegen das Wohlergehen einer Person [...]
Gedanke 100
Der Mensch lernt einerseits passiv aus Büchern, andererseits aktiv durch Erfahrung. Denn er muss sich zunächst das vorhandene Wissen aneignen, damit er es letztlich im Handeln umsetzen kann. Dabei ist beobachtbar, daß das Buchwissen dem Erfahrungswissen übergeordnet wird, denn man fordert eher den Nachweis bestimmter Kenntnisse, als daß man Handfertigkeiten und Fähigkeiten entsprechend anerkennt und [...]
Gedanke 97
Es ist beobachtbar, daß viele eine Rolle spielen, statt eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln, denn jede Rolle, die gespielt oder eingenommen wird, übt einen Zwang aus, so daß der Mensch sich selbst entfremdet. Wenn eine Rolle ernsthaft gespielt wird, muss sie auch überzeugen, so daß es zu einer neurotischen Persönlichkeitsveränderung kommt, weil der Abstand zwischen [...]
Gedanke 64
Ansichten, Urteile, Meinungen sind Ausdruck individueller Sichtweisen, die als Orientierungshilfen dienen, aber nicht Wege darstellen, sich einer Sache zu näheren, denn jeder muss sich einen individuellen Weg im Trümmerfeld welcher Art auch immer suchen. Viele sind bestrebt, ihre individuellen Sichtweisen, Meinungen und Urteile als Königsweg und allgemein verbindlich durchzusetzen, indem sie Kritik als Affront verstehen, [...]
Gedanke 59
Man liest sehr oft, daß die Lebensqualität vieler durch Lärm beeinträchtigt ist, weil viele keine Ruhe mehr finden können. Zum einen sind viele empfindlicher geworden, insofern sie auf den kleinsten Lärm schon verärgert reagieren. Auch die Lärmquellen werden unterschiedlich gewichtet, insofern der Lärm, den ein Fahrzeug verursacht, als schlimmer empfunden wird als überlaute Musik und [...]
Gedanke 39
Ein Heilungsprozess wird nicht nur damit eingeleitet, daß ein Medikament verabreicht wird, von dem angenommen wird, daß es in entsprechender Weise wirkt. Denn jede Krankheit nimmt einen individuellen Verlauf und jedes Medikament müsste auch individuell zusammengestellt werden. Andererseits gehört zu einem erfolgreichen Heilungsprozess auch die Mobilisierung von Kräften, die sich positiv auf das Befinden auswirken. [...]
Gedanke 34
Grundsätzlich ist ein Sozialstaat eine große Errungenschaft, weil sie den Bürger in widrigen Umständen nicht ins Nichts abstürzen lässt und somit ihn nicht zum Hungern und Darben verurteilt. Es besteht immer die Gefahr, daß durch den Sozialstaat eine Haltung begünstigt wird, die die Unterstützung durch den Sozialstaat als Lebensgestaltungsprinzip ansieht, denn es gibt auch Mitbürger, [...]